Carsharing-Dienste lassen sich wirtschaftlich betreiben. Wie der Bundesverband Carsharing (bcs) am Montag mitteilte, weisen sechs der zehn größten Anbieter in Deutschland in ihren Bilanzen Gewinne aus. "Niemand kann mit Carsharing reich werden. Aber die meisten Carsharing-Anbieter in Deutschland gewinnen kontinuierlich Kundinnen und Kunden, expandieren in der Fläche und sind wirtschaftlich kerngesund", sagte Geschäftsführer Gunnar Nehrke in Berlin.
Allerdings haben sich dem Verband zufolge die Gewinnerwartungen einiger Betreiber von Free-Floating-Angeboten ohne feste Stationen eingetrübt. Dort zeige sich, dass dieses Modell gerade in der Anfangsphase hohe Investitionen verlange und in einigen Fällen nicht unbegrenzt skalierbar sei.
Die Free-Floating-Anbieter sind heute vor allem in acht Metropolen und deren Umland aktiv. Sie betreiben rund die Hälfte der 30.200 deutschen Carsharing-Fahrzeuge. Die übrigen werden im stationsbasierten oder kombinierten Carsharing eingesetzt.
Dynamischer Markt
Nehrke betonte: "Dass einzelne Anbieter für sich keine ausreichende wirtschaftliche Perspektive sehen, sollte man nicht überbewerten. Es ist in einem so dynamischen Markt wie dem Carsharing-Markt auch gar nicht verwunderlich."
Carsharing - zehn Fakten, die Sie noch nicht kannten (2022)
BildergalerieDer bcs-Vertreter unterstrich, dass die gute wirtschaftliche Tragfähigkeit von Carsharing auch Bedeutung für Deutschlands Klimaziele habe. "Für möglichst viele Haushalte muss Pkw-Mobilität von der regelmäßigen Gewohnheit zu einer gezielt eingesetzten Option im Mobilitätsmix werden", sagte Nehrke. Bis 2045 wolle die Branche allen Haushalten, die den ÖPNV oder das Fahrrad als Hauptverkehrsmittel nutzen können, ergänzend auch ein Carsharing-Angebot in fußläufiger Entfernung anbieten.
Nachfrage steigt weiter stark an
Laut Verband waren zu Jahresbeginn in Deutschland insgesamt 243 Carsharing-Dienste in 935 Orten aktiv. Die Zahl der registrierten Kunden betrug 3,4 Millionen – 18 Prozent mehr als 2020. Im Verlauf dieses Jahres sei die Nachfrage noch einmal stark angestiegen, so Nehrke weiter. Ab dem zweiten Quartal habe sie vielerorts das Angebot überstiegen. Gebremst werde die weitere Expansion der Dienste und der schnelle Ausbau der Flotten durch die Probleme in den Lieferketten der Autoindustrie.